Sehr dunkel und wenig einladend – der Gildehoftunnel gehörte früher zweifelsohne zu den Orten in Essen, die man gerne mied, insbesondere als Fußgänger. Seit Sommer 2023 ist das nicht mehr so. Dank der Umsetzung einer Lichtinstillation des Essener Architekten und Lichtgestalters Peter Brdenk erstrahlt der Tunnel nun in neuem Glanz. Die Installation vereint eine funktionelle mit einer künstlerischen Beleuchtung und wurde zum größten Teil mit NORKA-Leuchten realisiert. Sie ist ein eindrückliches Beispiel, wie sich ein ehemals unwirtlicher Ort mit einer kreativen Lichtgestaltung aufwerten lässt, und gewann den Publikumspreis beim Deutschen Lichtdesign-Preis 2024.

Mit rund 170 m Länge und knapp 13 m Breite gehört der Gildehoftunnel zu den größten Unterführungen in der Essener Innenstadt. Der dreispurige Straßentunnel liegt in unmittelbarer Nähe zum Essener Hauptbahnhof und unterquert die Bahngleise. Er ist in drei Abschnitte aufgeteilt: Der erste Abschnitt misst ca. 24 m mit flacher Decke und einer Höhe von ca. 7 bis 8,50 m. Abschnitt Nummer 2 misst ca. 42 m bei einer Durchschnittshöhe von knapp 13 m mit ebenfalls flacher Decke. Den längsten Teil bildet der Rundbogentunnel mit fast 100 m Länge. Aufgrund der jahrelangen Schmutzeinwirkungen an Wänden und Decken und der dunklen Fahrbahnoberfläche gab es in dem bis dato mit Natriumdampfhochdrucklampen beleuchteten Tunnel nur einen sehr niedrigen Reflexionsgrad. Eine Sanierung oder Komplettreinigung stand jedoch nicht zur Diskussion und der Reflexionsgrad bleibt nach wie vor niedrig. Da die Benutzung der Unterführung auch für die Fußgänger attraktiver werden sollte, spielen neben ausreichender Helligkeit auch die emotionale Wirkung von Licht und eine entsprechende Gestaltung mit Licht und Leuchten eine große Rolle.
Mit Peter Brdenk vom Architekturbüro Planwerk Essen holte man sich einen erfahrenen Lichtgestalter ins Boot, der sich seit mehr als 30 Jahren dem Thema Lichtgestaltung im öffentlichen Raum und Architektur verschrieben hat und schon viele Projekte im Ruhrgebiet und über seine Grenzen hinaus realisiert hat.
Mich haben die Möglichkeiten, Architektur und Lichtkunst zusammenzuführen, seit jeher fasziniert. Bei jedem Projekt erschaffe ich ein neues nächtliches Erscheinungsbild und eine besondere Wirkung in der Dunkelheit.“
— Peter Brdenk, Architekturbüro Planwerk Essen
So auch beim Gildehoftunnel, für den er unter Mitarbeit von Sid Ahmed Boudia eine Illumination von hoher emotionaler Qualität entwickelt hat. Die Gestaltungsidee beruht auf Ordnung, Gleichmäßigkeit, Klarheit und Helligkeit mittels dicht aneinander folgender, geometrischer Beleuchtungskörper, aber auch auf Kontrast zur Unordnung. Zum Einsatz kommen drei verschiedene LED-Leuchtentypen: eine Rohrleuchte, eine Wandleuchte und ein Strahler.

Eng aneinandergereiht sind NORKA Rohrleuchten von Typ ZUG LED mit einer Länge von rund 1.400 mm, einem Durchmesser von 75 mm und raumstrahlender Lichtcharakteristik an den beiden Längsseiten des Tunnels installiert und säumen die Fahrbahn. Während die ZUG LED im zweiten Tunnelabschnitt mit flacher Decke mit ca. 1,40 m Abstand montiert sind, beträgt der Abstand im Rundbogentunnel ca. 2,40 m. Die lichtstarken Leuchten sorgen für ausreichend Helligkeit trotz des niedrigen Reflexionsgrades der Wände. Die kontinuierliche Leuchtenabfolge wird unterbrochen von rund 800 mm langen ZUG LED Rohrleuchten, die in blauer Lichtfarbe erstrahlen, und runden Wandleuchten vom Typ PHALANX 430 mit einem Lichtfelddurchmesser von 300 mm. Zudem projizieren LED-Scheinwerfer in regelmäßigen Abständen blaue Lichtbögen auf das Tunnelgewölbe. Die Lichtanlage ist DALI gesteuert und verfügt über eine Tag- und Nachtschaltung. Um einen unangenehmen nächtlichen Dunkel-Hell-Kontrast beim Einfahren in den Tunnel und störende Blendung zu vermeiden, wird die Beleuchtung über ein zentral gesteuertes Signal in den Abend- und Nachtstunden automatisch auf 50 Prozent heruntergedimmt und am Morgen wieder hochgefahren.
Um das Eingangsportal gestalterisch hervorzuheben, wurde der Schriftzug „GILDEHOF“ in plastisch wirkenden Versalien an die Ostwand angebracht. Über ihm befindet sich eine Linie aus PHALANX 430 Leuchten, die in ihrem Verlauf die Unterkante aller im Tunnel installierten Leuchten abzeichnet. Darüber hinaus verbirgt sich hinter der Anordnung der PHALANX Leuchten eine latente Information: Über das Morsealphabet ist hier der Stadtname Essen zu lesen. Im Jahr 2004 wurde die Unterführung zur linken Seite des Bahnhofs ähnlich gestaltet und leuchtet in blau und weiß – was heute eine lichtgestalterische Klammer ergibt.

Wir freuen uns, dass der Gildehoftunnel durch die kunstvollen Lichtinstallationen eine Aufwertung erfahren hat.
— Simone Raskob, Geschäftsbereichsvorständin für Umwelt, Verkehr und Sport der Stadt Essen
Dies betonte Simone Raskob der Stadt Essen, anlässlich der Fertigstellung des Projektes im Sommer 2023. Dass dies auch von einer breiten Fachöffentlichkeit goutiert wird, zeigte der Wettbewerb um den Deutschen Lichtdesign-Preis 2024: Der mit Unterstützung des Teams der Messe Light + Building in Frankfurt in diesem Jahr zum ersten Mal ausgelobte Publikumspreis ging an Peter Brdenk für die Lichtgestaltung des Gildehoftunnels.