Die neue Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie in Stuttgart wurde unmittelbar neben der alten Haltestelle gleichen Namens errichtet. Im Gegensatz zur alten, komplett unterirdischen und stark in die Jahre gekommenen Anlage, präsentiert sie sich als moderner, lichtdurchfluteter Raum, der nach oben teilweise geöffnet ist und eine luftige Atmosphäre vermittelt. Das großzügig einfallende Tageslicht wird durch eine künstliche Beleuchtung unterstützt und ergänzt, die sowohl funktionale Anforderungen, als auch gestalterische Ansprüche erfüllt und die Architektur angemessen zur Geltung bringt.

Mit dem Verkehrsprojekt Stuttgart 21 der Deutschen Bahn AG (DB) befindet sich eines der größten und komplexesten Infrastrukturprojekte der Bundesrepublik Deutschland in der Realisierungsphase. Es umfasst die Umgestaltung des Stuttgarter Hauptbahnhofs sowie den Bau neuer Tunnel und Verbindungsstrecken für den Fern- und Nahverkehr in der gesamten Region Stuttgart/Ulm. Auch das Streckennetz der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) war bzw. ist von den Baumaßnahmen betroffen, was große Herausforderungen aus baulicher und betrieblicher Sicht darstellte. Eine davon war der Neubau der Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie. Er war notwendig geworden, da die alte Haltestelle in ihrer damaligen Lage den neuen querenden Tunneln des Tiefbahnhofs im Weg war. Eine Verlegung in Richtung Westen und die Anhebung um ca. drei Meter war unvermeidlich, sodass die neuen Stadtbahntunnel nun über dem neuen Tunnel der Fernbahn verlaufen.
Ebenso wie beim neuen Tiefbahnhof stammt der Entwurf von ingenhoven architects aus Düsseldorf. Ein zentrales Ziel war, die Haltestelle so zu gestalten, dass beide Bauwerke als gestalterische Einheit wahrgenommen werden. Materialwahl, Geometrie und Farbgebung wurden daher gezielt aufeinander abgestimmt und spiegeln die Architektursprache des Tiefbahnhofs wider. Oder wie es Christoph Ingenhoven in einer Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Haltestelle formulierte: „In der Haltestelle sind bereits viele Grundgedanken des neuen Hauptbahnhofs im Hinblick auf seine räumlichen und materiellen Qualitäten enthalten.
Die dreigleisige Haltestelle hat einen Seiten- und Mittelbahnsteig, die beide als Hochbahnsteige ausgebildet sind. Die Bahnsteiglängen sind für Züge in Doppeltraktion bis 80 Meter Länge ausgelegt, optional ist eine Verlängerung der Bahnsteige bis 120 Meter konstruktiv vorgehalten. Ein 30 Meter breites, gewölbtes Schalendach, das in Richtung Schlossgarten/Planetarium geöffnet ist, überspannt die Haltestelle. Analog zum Tiefbahnhof kommt auch hier durchgängig sogenannter Weißbeton zum Einsatz, der deutlich heller ist als herkömmlicher Graubeton. Dabei war die Herstellung der gekrümmten Wandflächen besonders anspruchsvoll, denn diese erforderten Sonderanfertigungen der Schalungen und den Einbau vorgebogener, mehrlagiger Bewehrungseisen.
Von weitem sichtbar weist ein großes Portal mit Fahrzielanzeiger Passanten den Weg zur Treppenanlage mit zwei Fahrtreppen, die sie zu den Bahnsteigen führt. Elegant in den Fahrzielanzeiger integrierte ERFURT LED Leuchten mit raumstrahlender Lichtverteilung beleuchten den Einstieg hinunter zu den Gleisen. Im weiteren Verlauf sind zur Beleuchtung des Verkehrswegs breitstrahlende MERKUR LED Einbauleuchten in die gewölbte Betondeckenschale integriert. Unten angekommen bietet sich ein großer, heller, freundlicher Raum, der nach oben teilweise geöffnet ist, sodass Tageslicht großzügig einfallen kann.


Beleuchtungstechnisch präsentiert sich die Haltestelle als Hybrid zwischen Tages- und Kunstlicht: „Auf der einen Seite eine unterirdische Haltestelle, aber trotzdem mit viel Tageslicht“, charakterisiert Frank Krauß, der bei der SSB den Haltestellen-Neubau als Projektleiter Stromversorgung-Niederspannung betreut hat. „Wir halten daher alle Vorgaben zur Beleuchtung einer unterirdischen Haltestelle ohne Tageslicht ein, also 150 Lux auf den Bahnsteigen und eine Gleichmäßigkeit von 1:4.“
Für die LED-Beleuchtung der Bahnsteige wurden spezielle T-förmige, 3,7 Meter hohe Leuchtenmasten entwickelt und im Abstand von 5,5 Metern in der Bahnsteigmitte installiert. Sie nehmen zu beiden Seiten jeweils zwei einflammige NORKA ERFURT LED Schutzrohr-Reflektor-Leuchten mit transopaler PMMA Abdeckung auf. Die raumstrahlende Lichtverteilung der nach unten gerichteten Reflektoren sorgt für die gleichmäßige Ausleuchtung des kompletten Bahnsteigs mit 150 Lux bis ganz vorne zur Bahnsteigkannte. In die eleganten, filigran anmutenden Leuchtengehäuse sind auch die Lautsprecher für die Durchsagen des Bahnpersonals integriert. Zusätzlich sind einige Leuchtenmasten mit einem Glasdach überspannt und fungieren so als regenfester Wartebereich.
Für die gleichmäßige Ausleuchtung der gewölbten Wand des Gleistrogs wurden ERFURT LED Leuchten in dem mit einer Milchglasabdeckung versehenen Bodenkanal entlang des Trogs leicht versetzt montiert. Dazu wurden im Vorfeld verschiedene Versuche und Bemusterungen in einer anderen Haltestelle durchgeführt, die ebenfalls eine leichte Rundung sowie ähnliche lichttechnische Voraussetzungen aufwies.
Die Leuchten, die im Gleistunnel zum Einsatz kommen, müssen eine Reihe von besonderen Anforderungen erfüllen: Der Straßenbahnfahrer darf nicht durch das Licht gestört bzw. geblendet werden. Es muss ausreichend Helligkeit vorhanden sein, damit Wartungs- und sonstige Reparaturen vorgenommen werden können. Last but not least müssen bei einem eventuellen Störfall Rettungskräfte sicher zum Einsatzort und Fahrgäste sicher aus dem Tunnel gelangen.

„Wir haben alle 10 Meter eine Tunnelleuchte installiert, die wir gemeinsam mit NORKA konstruiert haben“, erläutert Frank Krauß und führt weiter aus: „Sie beleuchtet den sicheren Fluchtweg, da haben wir Vorgaben von 10 Lux und einer Gleichmäßigkeit von 1:10. Der Fahrer wird nicht geblendet und es gibt eine indirekte Beleuchtung nach oben, damit die Kollegen vom Fahrleitungsbereich die Oberleitungen kontrollieren können.“ Basierend auf der ERFURT LED verfügt diese Leuchte über einen modifizierten Reflektor, der das Licht exakt nach unten richtet, sowie einen oberseitigen Lichtaustritt für die Aufhellung in Deckenrichtung.
Noch befindet sich das Umfeld der Haltestelle Staatsgalerie im Baustellenmodus. Doch man kann sich bereits vorstellen, wie auf der Oberfläche des Bahnhofs ein Park entstehen wird, dessen grüne Rasenfläche fast bis an die Bahnsteigkante der Haltestelle reicht und der provisorische Aufgang zum Planetarium zu einem fließenden Übergang in die Wiese wird. Damit wird die Aufenthaltsqualität an diesem Ort noch weiter erhöht. Denn schon jetzt lässt es sich an diesem natürlich belüfteten und tageslichtdurchfluteten Ort wohlfühlen. Auch die künstliche Beleuchtung trägt diesem Faktor Rechnung, nicht zuletzt mit der durchgängigen Verwendung der Lichtfarbe von 3000 K, die der gesamten Haltestelle eine angenehm warme Atmosphäre verleiht.
